Tierkrematorium

Ein würdevoller Abschied vom geliebten Tier

Erstellt 15.01.2014

Verschiedene Modelle von Urnen präsentiert Gisela Eckstein in einer Ausstellung (l.). Foto: (Fotos: Richter)

 Für viele Menschen ist ihr Haustier ein richtiges Familienmitglied. Doch irgendwann kommt der Tag, wo auch das schönste Tierleben zu Ende geht. Wie kann dann ein würdevoller Abschied vom Haustier aussehen? Von Anne Richter

Bedburg. Für viele Menschen ist ihr Haustier ein richtiges Familienmitglied. Jahrelang sind Hund und Katze immer mit dabei, sind Quell der Freude oder spenden Trost. Für Kinder sind Kleintiere wie Hamster oder Meerschweinchen gute Freunde, denen sie alles anvertrauen können. Doch irgendwann kommt der Tag, wo auch das schönste Tierleben zu Ende geht. Wie kann dann ein würdevoller Abschied vom Haustier aussehen?

Diese Frage stellten sich auch Gisela und Hans-Jürgen Eckstein. Selber Tierfreunde, hatten sie früher kleine Tiere im heimischen Garten beerdigt. „Aber was machen die, die keinen Garten haben?“, fragten sie sich. So reifte bei dem Ehepaar langsam die Idee, ein Tierkrematorium zu eröffnen. „Eine Tierkörperbeseitigungsanstalt – das kann es für ein geliebtes Tier nicht sein“, findet Gisela Eckstein. Andere Tierkrematorien liegen relativ weit entfernt in Koblenz oder Gummersbach, und so machten sie und ihr Mann sich auf die Suche nach einem passenden Standort nahe ihrem Wohnort Grevenbroich. „Nähe ist wichtig für die Tierbesitzer“, wissen sie. Das tote Tier soll nicht hunderte Kilometer weit gefahren werden müssen.

Im Bedburger Industriepark Mühlenerft fanden sie ideale Bedingungen. „Hier liegen wir genau im Städtedreieck von Köln, Düsseldorf und Aachen“, so Hans-Jürgen Eckstein. Zudem könne er dort zu jeder Zeit arbeiten und auch den Ofen immer betriebsbereit halten, falls jemand eine sofortige Einäscherung wünsche. Zum Angebot gehört auch ein 24-Stunden-Bereitschaftsdienst.

Im Trauerraum haben die Besitzer Zeit, sich von ihrem Tier ein letztes Mal zu verabschieden.
Foto: (Fotos: Richter)

Beide Eheleute haben zuvor in anderen Berufen gearbeitet, sie im Auftragsmanagement eines Unternehmens, er als Ingenieur für Elektrotechnik. Von diesem Wissen konnten sie beim Einbau des Ofens für die Kremierung profitieren.

Seit Anfang Januar ist das Familienunternehmen offiziell als „Tierkrematorium Rhein-Erft“ zugelassen, die technische Abnahme durch das Umweltamt und die Genehmigung durch die Stadt seien ohne Probleme verlaufen. Einzig mit dem früheren Vermieter des Grundstücks habe es Probleme gegeben, die zu Verzögerungen geführt hätten. Inzwischen ist das Ehepaar aber selbst Eigentümer des Geländes.

„Wir wollen den Tierbesitzern Eigenverantwortung ermöglichen. Sie sollen bestimmen können, was mit ihrem verstorbenen Haustier passiert“, so das Ehepaar Eckstein. Deshalb können die Besitzer selbst entscheiden, ob sie das Tier vorbeibringen oder im Umkreis von 100 Kilometern zu Hause abholen lassen möchten, ob es einzeln kremiert werden soll, oder mit anderen Tieren zusammen, die dann auch gemeinsam auf dem Tierfriedhof beigesetzt werden, ob sie bei der Einäscherung dabei sein möchten oder nicht.

Vor Ort gibt es einen Trauerraum, um Abschied zu nehmen, und auch eine breite Auswahl an Urnen. „Da arbeiten wir mit verschiedenen Künstlern zusammen“, erklärt Gisela Eckstein. Viele Modelle sind bunt gehalten, um die „Freude wiederzuspiegeln, die die Besitzer mit ihrem Tier hatten“.

Als besonderes Angebot ist auch eine Kremierung von Kleintieren wie Wellensittichen und Hamstern möglich. Oft seien bei diesen Tieren Kinder betroffen, so das Ehepaar. Deren Trauer werde durch einen angemessenen Umgang mit dem toten Tier ernst genommen.

Der Ofen selbst liegt im hinteren Teil des Gebäudes und ist in einem pastell-violetten Farbton gehalten, um eine freundliche Atmosphäre zu schaffen. Wird ein Tier eingeäschert brennt daneben eine Kerze. Die Dauer der Kremierung hängt von der Größe des Tieres ab, übrig bleiben Asche und kleine Knochenteile. Die Abluft des Ofens wird entsprechend den Gesetzesvorgaben gekühlt und gefiltert, so dass die Umwelt nicht mit Feinstaub oder Luftschadstoffen aus der Verbrennung belastet wird.

„Die Überreste wiegen etwa vier Prozent von dem, was das Tier vorher gewogen hat“, erklärt Hans-Jürgen Eckstein. Dicht verpackt in einem kleinen Beutel wird die Asche in die Urne oder das von den Besitzern gewählte Gefäß gegeben. Die Urnen können dann zu Hause aufgestellt werden, um den geliebten Wegbegleiter immer in der Nähe zu behalten.

www.tierkrematorium-rhein-erft.de

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19. Februar 2014 | 00.00 Uhr
Grevenbroich
Von Christian Kandzorra

Hülchrather eröffnen Krematorium für Tiere hinter der Stadtgrenze

 


Nachdem sie in Grevenbroich mit ihren Plänen scheiterten, haben sich Gisela und Hans-Jürgen Eckstein in Bedburg selbstständig gemacht.                                                                                                                                                                         FOTO: CKA

 Grevenbroich. Ob Hund, Katze, Maus, Papagei oder Wellensittich: Wenn ein Haustier stirbt oder eingeschläfert werden muss, ist das für die Besitzer häufig ein echter Trauerfall – fast so, als hätten sie einen menschlichen Angehörigen verloren.

 Nicht jeder will seinen tierischen Gefährten etwa auf einem Tierfriedhof beerdigen – eine Alternative: eine Einäscherung in einem Tierkrematorium. Eine solche Einrichtung wollten Gisela und Hans-Jürgen Eckstein ursprünglich in Grevenbroich eröffnen, doch ihre Grundstücks-Anträge wurden – wie sie erzählen – mehrfach abgelehnt. Nun haben sich die beiden Hülchrather an der Stadtgrenze zu Grevenbroich, im Bedburger Gewerbegebiet, selbstständig gemacht.

 Die Nachfrage ist groß: "Wir betreiben im Städtedreieck Köln, Düsseldorf, Aachen das einzige Krematorium für Tiere", sagt Hans-Jürgen Eckstein (58). In einer Ausstellung bieten sie zahlreiche verschiedene Urnen für die Asche der Tiere an – etwa eine in Herzform mit einer Hundetatze. "Viele Leute schätzen es, ihr Tier persönlich bis zum Schluss begleiten zu können", sagt Gisela Eckstein (54).

 An der Robert-Bosch-Straße hatte das Hülchrather Paar ein bereits bestehendes Gebäude erworben. Der fast sieben Jahre andauernde Kampf um ein Grundstück für das Krematorium war damit beendet. In Grevenbroich sei ihre Idee, so Gisela und Hans-Jürgen Eckstein, bis zuletzt fast gänzlich auf Ablehnung gestoßen – nur eine Fläche im Gewerbegebiet Ost, die bis heute nicht erschlossen ist, sei der Familie angeboten worden.

 "Ein Tierkrematorium ist ein sehr emotional vorbelastetes Thema. Viele Leute wollen sich gar nicht richtig damit auseinandersetzen, weil es vielleicht mit schlechten Gerüchen oder anderen Belastungen in Verbindung gebracht wird", erklärt sich Hans-Jürgen Eckstein die Ablehnung der Idee in Grevenbroicher Ratsgremien. Doch das sei nicht der Fall: "Wir sind keine Tierbeseitigungsanlage. Wir äschern Kleintiere auf Nachfrage ihrer Besitzer ein, damit sie sich von ihrem Tier würdevoll verabschieden können", so Gisela Eckstein.

 24 Stunden ist das Tierkrematorium erreichbar, auf Wunsch werden verstorbene Tiere auch abgeholt. "Die Besitzer können sich bei uns sogar in einem eigens dafür geschaffenen Trauerraum von ihrem Tier verabschieden." Viele Halter würden die Asche ihres Tiers auch mit nach Hause nehmen, was in Deutschland nicht verboten ist.

 Quelle: NGZ